Um Bestandsentwicklungen von Wildtieren wie etwa dem Schwarzstorch, Anhang I-Vogelart der Vogelschutz-Richtlinie der EU, einzuschätzen, ist eine umsichtige Beurteilung notwendig. Es reicht nicht aus, einige positive Entwicklungen in ausgewählten regionalen Einheiten zu betrachten. Die Entwicklungen von Schwarzstorch-Teilpopulationen sind stets kritisch zu hinterfragen, weil mitunter verfälschende Trend-Angaben zu durchaus fehlerhaften Annahmen über Bestandsentwicklungen führen können. In manchen zuvor stark frequentierten Schwarzstorch-Habitaten Europas waren oder sind teils recht abrupte Bestandsrückgänge zu verzeichnen, die den Faktor der Vulnerabilität scheinbar stabiler Populationen ins Spiel bringen, auch wenn es über längere Zeiträume gute Erfolge zu verzeichnen gab. Beim Schwarzstorch werden gegenwärtig insbesondere unter den Ostzieher-Populationen Bestandsrückgänge und Schwankungen verzeichnet. - In dieser Arbeit werfe ich insbesondere einen Blick in die March-Thaya-Auen Niederösterreichs und führe weitere Daten und Vergleiche zu einigen anderen europäischen Regionen an. Um Populationsentwicklungen und Bestandstrends umfassend beurteilen zu können und Szenarien gegenüberzustellen, führe ich das Prinzip eines "geoökologisch ausgerichteten Prozessresponssystems" ein.