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Nachruf auf Dr. Rainer Brämer 1943-2026

von Michael Hahl

Als ich auf einer Etappe meines beruflichen Schaffens verstärkt auch mit Wandertourismus und Wanderplanung befasst war, gab es einen Vorausgehenden mit einem großen Namen in dieser neu erblühenden Branche, von von dem ich viel lernte. Einer, der zudem auch meine Arbeit auf diesem Feld schon früh zu schätzen wusste: Dr. Rainer Brämer, einer der wesentlichen Initiatoren neuartiger "Premiumwanderwege", kannte die alten Verflechtungen dieses Marktes allzu gut. Als ich ihm meine 80-seitige Projektstudie zum "Neckarsteig" vorlegte, war er beeindruckt und bot mir für den weiteren Prozess seine Unterstützung an.

 

"Sie werden mich brauchen", sagte er, und als Querdenker oder Neudenker der damals recht verkrusteten Wanderszene sollte er fraglos 'Recht' behalten. Denn schneller, als ich wandern und mich wundern konnte, wirkten alte Strukturen und das vielversprechende Neckarsteig-Projekt war trotz meiner Fülle professioneller Ideen und by the way wegbereitender und maßgeblicher Vorarbeit - im Ursprung zusammen mit dem Ideengeber Timo Bracht - aus den Händen genommen und einem traditionellen Wanderklub übertragen, der hier wohl ein Revier erfolgreich für sich beanpruchte.

 

Nun, unter anderem solche Erfahrungen brachten mich dazu, diesen kurzzeitig betretenen Wandertourismusmarkt nach ein paar Jahren wieder zu verlassen und meine ureigenen Pfade weiter zu gehen. Nichtsdestotrotz wissen zumindest diejenigen, die den zertifizierten Wanderweg zwischen Heidelberg und Bad Wimpfen damals neben mir in die Wege geleitet haben, dass der heute etablierte "Neckarsteig" auch meine Handschrift trägt.

 

Der zuvor schon von mir initierte, geplante und realisierte Geopfad "Eberbacher Pfad der Flussgeschichte" wurde Teil des "Neckarsteigs", und das ist auch deshalb nennenswert, weil die von mir umgesetzten Themenweg-Planungen möglichst auch Kriterien der neuen Premiumweg-Richtlinien, wie sie Rainer Brämer mit seinen Kollegen vom "Wanderinstitut" entwickelt hatte, mit in die "Dramaturgie" der Pfade eingebunden haben, wie sich besonders schön am "Pfad der Flussgeschichte" in Eberbach am Neckar zeigt - von der Altstadt hoch über die historische Kulturlandschaft des Breitensteins. Mein besonderes Bemühen als Geopfad-Planer war: Geotourismus, Naturschutz und Umweltbildung zu koppeln mit denjenigen Kriterien hochwertiger Wanderforschung, wie sie insbesondere von Rainer Brämer auf den Weg gebracht wurden. 

 

Zurück zum Anfang: Rainer Brämer blieb mir über all die Jahre in bester Erinnerung. Ein Mal wenigstens konnten wir uns treffen, das war am Heidelberger Königstuhl. Wir pflegten eine schöne Wanderung und führten ein gutes Gespräch. Den Kontakt hielten wir noch viele Jahre, nur zu einer weiteren Begegnung sollte es nicht mehr kommen. Zwischen Rothaargebirge und Odenwald liegen ein paar Kilometer, und die Lebensfülle und Anforderungen des täglichen Seins lassen natürlich nicht immer den Raum auch für Begegnungen, die man eigentlich gerne weiter gepflegt hätte. Als Gastautor auf seiner Wanderforschung-Website war ich unter anderem mit meinem Artikel "Wanderblick mit Hindernissen" eingebunden, der hier in diesem alten "Wanderfokus Odenwald" noch zu lesen ist - heute aktueller denn je, wie ich meine. 

 

Die Jahre vergingen, am Morgen des heutigen Tages schaute ich aus einem Impuls heraus im Internet nach ihm, wohlwissend um das fortgeschrittene Alter. Ich wollte sehen, ob er denn eigentlich noch leben würde, und ich fand, ohne darüber wirklich erstaunt zu sein, einen Tag, der sein Ableben markierte: der 15. August 2026, noch nicht einmal drei Wochen her. 

 

Für mich bleibt Rainer Brämer in sehr guter Erinnerung. Nicht nur als damals so genannter "Wanderpapst", ein Name, den er medial erhielt, wohl aus irgendwelchen redaktionellen Ideen heraus, eben weil er eine Weile innovativ die Neubetrachtung des Wanderns verkörperte und durchaus eine neue Bewegung dieser Forschung und Planung anführte. Aber darüber hinaus bleibt die gute Erinnerung auch durch seine Studien über "Naturbewusstsein", über seine "Profilstudien Wandern" und ähnlich gelagerte Forschungsfelder. Unvergessen für mich: seine Beiträge zu einem von ihm so genannten "Bambi-Syndrom", darüber also, dass insbesondere Heranwachsende den "Menschen" als Störfaktor einer allzu romantisierten Natur betrachteten und dass gerade dadurch die Mensch-Natur-Trennung, Entfremdung und Abspaltung sich weiter vergrößerten. Auch ich habe mich immer wieder mit dieser Thematik auseinander gesetzt und beleuchte dies bis heute. 

 

Darüber hinaus konnte Rainer Brämer auch dazu noch Weiteres eruieren, was die Menschen als "schöne Landschaft" wahrnehmen, und was störend darin wirkt. Er leistete damit wichtige Beiträge zu einer - wie er es nannte - "Natursoziologie", oder - wie es wissenschaftlich etablierter genannt wird - zu Naturpsychologie und Landschaftsästhetik.

 

Beiträge, die heute immer wichtiger werden, weil einstige Kriterien des Landschaftsschutzes - wie sie noch vor einer meines Erachtens völlig fehlgesteuerten "Energiewende" ganz groß geschrieben wurden und selbstverständlich unsere Naturparke, Wälder, naturnahe Offenlandschaften und überhaupt ländliche Räume und Regionalentwicklung betrafen - seit einigen Jahren offenbar keine Gültigkeit mehr haben: Wanderblicke mit Hindernissen ... - Rainer Brämer und ich waren uns einig: hier war einiges auf Abwege geraten. 

 

Mittlerweile habe ich mit Wandertourismus und Wanderplanung nicht mehr viel am Hut. Meine beruflichen Handlungsfelder haben sich im Lauf der Jahre weiter entwickelt. Geotourismus spielt nach wie vor eine Rolle, und das Erforschen, Erleben und Vermitteln von Landschaften und Mensch-Umwelt-Interaktion ist weiterhin mein Anliegen. Durch geoökologische Gutachten und Fachbeiträge zu Naturschutzfragen erhält mein berufliches Schaffen heute eine andere Ausrichtung. Zudem bin ich mit umweltethischen und "ökophilosophischen" Fragestellungen befasst. Ich möchte Wege aufzeigen, wie es vielleicht sinnvoll weitergehen könnte mit dem Menschen als Teil der Natur. Alles in allem aber bleibt es in meinem Schaffen beim schwierigen Verhältnis von Mensch und Landschaft: wie Landschaften auf uns wirken und der Mensch in den Landschaften. Letzten Endes sind meine heutigen Aufgaben immer noch wesensverwandt zu dem, was auch Dr. Rainer Brämer auf seinen Schaffenswegen umsetzte. 

 

Du hast gut gewirkt, Rainer Brämer, und Gutes bewirkt. Vielleicht mehr als manche erkannt haben. Du warst einer der Wegbereiter für etwas, was es auch heute und künftig wieder und wieder zu entdecken und zu bewahren gilt: die Schönheit der Landschaft. Mit dem Menschen mittendrin. Aber so, dass sie schön bleiben kann, diese Landschaft, und dass der Mensch eben nicht zu einem Störfaktor wird für das, was er eigentlich sucht, und was in der "Natursoziologie" und "Wanderforschung" als Wahrnehmung schöner Landschaft beschrieben wird. Ein langes Lebenswerk, vielen Dank dir dafür! Ruhe in Frieden. 

 

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Nachruf seiner Kollegen vom Wanderinstitut: https://www.wanderinstitut.de/download/nachruf-rainer-braemer.pdf

 

Rothaarsteig-Pionier Dr. Rainer Brämer in Hilchenbach gestorben - Siegener Zeitung: 
https://www.siegener-zeitung.de/lokales/siegerland/hilchenbach/rothaarsteig-pionier-dr-rainer-braemer-in-hilchenbach-gestorben-ZLOVLHMQKRHQVIFGFVV3IWQPOI.html

 

Dr. Rainer Brämer's Seiten www.wanderforschung.de und www.natursoziologie.de sind bedauerlicherweise mittlerweile nicht mehr aktiv. Nur ein Relikt ist hier noch zu finden: https://www.natursoziologie.de/index_l-wf-c-29-p-60.html

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